Inhaltsverzeichnis
Key Takeaways
  • Doppelte Besteuerung: Bei Hebesatz 410 % zahlt die GmbH 30,175 % auf den Gewinn, auf die Ausschüttung kommen 26,375 % Abgeltungsteuer inkl. Soli, zusammen rund 48,6 %.
  • Rechenbeispiel: Von 100.000 € Gewinn bleiben nach der Ausschüttung 51.409 € beim Gesellschafter.
  • Fristen: Jahresabschluss feststellen und Ergebnisverwendung beschließen innerhalb von 8 Monaten nach Geschäftsjahresende (kleine GmbH 11), Kapitalertragsteuer bis zum 10. des Folgemonats anmelden und abführen.
  • Teileinkünfteverfahren: Auf Antrag ab 25 % Beteiligung oder ab 1 % mit maßgeblichem Einfluss durch berufliche Tätigkeit; lohnt sich bei niedrigem übrigem Einkommen oder finanzierten Anteilen; der Antrag gilt fünf Veranlagungszeiträume, ist widerrufbar; nach einem Widerruf ist für diese Beteiligung kein neuer Antrag möglich.
  • Gehalt oder Ausschüttung: Bis zur angemessenen Höhe meist das Gehalt (Grenzlast höchstens rund 47,5 %); bei Hebesätzen unter etwa 367 % kann die Ausschüttung für die obersten Einkommensteile günstiger sein.
  • vGA vermeiden: Vergütungen klar, im Voraus und zivilrechtlich wirksam vereinbaren und tatsächlich so durchführen.

Eine Gewinnausschüttung der GmbH wird 2026 zweimal besteuert: Die GmbH zahlt auf ihren Gewinn Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer, bei einem Hebesatz von 410 % zusammen 30,175 %. Bei der Auszahlung behält sie 25 % Kapitalertragsteuer plus Soli ein. Von 100.000 € Gewinn kommen so 51.409 € bei dir an, eine Gesamtlast von rund 48,6 %.

Dieser Guide ist für Gesellschafter und Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH, die Gewinne privat nutzen wollen und wissen müssen, was das kostet, welche Beschlüsse und Fristen dranhängen und ob ein höheres Gehalt die bessere Route ist. Alle Zahlen sind mit dem Einkommensteuertarif 2026 gerechnet und mit dem jeweiligen Paragrafen verlinkt. Für deine eigenen Zahlen gibt es weiter unten den Rechner.

Was ist eine Gewinnausschüttung bei der GmbH?

Eine Gewinnausschüttung ist die Auszahlung des Jahresüberschusses der GmbH an ihre Gesellschafter, auf Grundlage eines Gesellschafterbeschlusses über die Ergebnisverwendung. Den Anspruch regelt § 29 GmbHG, verteilt wird nach dem Verhältnis der Geschäftsanteile, sofern der Gesellschaftsvertrag nichts anderes festlegt. Beim Gesellschafter sind Ausschüttungen Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Eine Ausnahme: Soweit für die Ausschüttung Beträge aus dem steuerlichen Einlagekonto (§ 27 KStG) als verwendet gelten, gehört sie nicht zu den Einnahmen.

Zwei Abgrenzungen gehören dazu. Bleibt der Gewinn in der GmbH, als Gewinnrücklage oder Gewinnvortrag, heißt das Thesaurierung. Wendet die GmbH dir dagegen ohne Beschluss einen Vorteil zu, etwa über ein überhöhtes Gehalt, ist das eine verdeckte Gewinnausschüttung. Beides kommt weiter unten.

Wie wird eine Gewinnausschüttung der GmbH versteuert?

Die steuerliche Behandlung läuft in zwei Stufen. Auf Ebene der GmbH fallen 15 % Körperschaftsteuer, 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf und Gewerbesteuer an (3,5 % Steuermesszahl mal Hebesatz der Gemeinde). Auf Ebene des Gesellschafters behält die GmbH 25 % Kapitalertragsteuer plus 5,5 % Soli darauf ein, zusammen 26,375 %. Damit ist die Steuer in der Regel abgegolten.

EbeneSteuerSatz 2026Grundlage
GmbHKörperschaftsteuer15 % des zu versteuernden Einkommens§ 23 Abs. 1 KStG
GmbHSolidaritätszuschlag5,5 % der Körperschaftsteuer (0,825 % vom Gewinn)§ 4 SolZG
GmbHGewerbesteuer3,5 % mal Hebesatz, bei 410 % also 14,35 %§ 11 Abs. 2 GewStG
GesellschafterKapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer)25 % der Ausschüttung§ 43a, § 32d Abs. 1 EStG
GesellschafterSolidaritätszuschlag darauf5,5 % der Kapitalertragsteuer (1,375 %)§ 3 Abs. 1 Nr. 5, § 4 SolZG
GesellschafterSparer-Pauschbetrag1.000 €, zusammenveranlagt 2.000 €§ 20 Abs. 9 EStG

Die Rechtsgrundlagen zur Besteuerung der Gewinnausschüttung im Volltext: § 23 KStG, § 11 GewStG, § 32d EStG und § 4 SolZG. Bist du kirchensteuerpflichtig, kommt Kirchensteuer hinzu, und die Abgeltungsteuer ermäßigt sich nach der Formel in § 32d Abs. 1 EStG.

Teileinkünfteverfahren: die Option nach § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG

Statt der Abgeltungsteuer kannst du beantragen, dass die Ausschüttung mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert wird, dann aber nur zu 60 %: 40 % sind steuerfrei (§ 3 Nr. 40 Buchst. d EStG), und Werbungskosten wie Zinsen für die Finanzierung deiner Anteile zählen zu 60 % (§ 3c Abs. 2 EStG). Voraussetzung: Du bist zu mindestens 25 % beteiligt, oder zu mindestens 1 % und kannst durch eine berufliche Tätigkeit für die GmbH maßgeblichen unternehmerischen Einfluss auf ihre wirtschaftliche Tätigkeit nehmen.

Drei Spielregeln, die oft übersehen werden: Den Antrag stellst du spätestens zusammen mit der Einkommensteuererklärung des Jahres. Er gilt dann auch für die folgenden vier Veranlagungszeiträume, solange du ihn nicht widerrufst. Und nach einem Widerruf ist für dieselbe Beteiligung kein neuer Antrag mehr möglich. Den Sparer-Pauschbetrag gibt es im Teileinkünfteverfahren nicht. Die Kapitalertragsteuer behält die GmbH trotzdem ein, sie wird dir in der Veranlagung angerechnet.

Ob sich das lohnt, hängt an deinem übrigen Einkommen. Beispiel mit der Ausschüttung aus dem Rechenbeispiel unten (69.825 €), ledig, ohne Kirchensteuer, Tarif 2026:

Dein übriges zu versteuerndes EinkommenAbgeltungsteuer inkl. SoliTeileinkünfteverfahren (ESt und Soli auf 60 %)Mit 5.000 € Finanzierungszinsen
20.000 €18.416 €13.400 € (5.016 € weniger)12.239 € (6.177 € weniger)
50.000 €18.416 €17.758 € (658 € weniger)16.348 € (2.068 € weniger)
90.000 €18.416 €19.279 € (863 € mehr)17.950 € (467 € weniger)

Die Faustregel daraus: Bei niedrigem übrigen Einkommen oder bei finanzierten Anteilen lohnt sich das Teileinkünfteverfahren, bei hohem Gehalt ohne Finanzierungskosten meist nicht. Weil der Antrag fünf Veranlagungszeiträume gilt und nach einem Widerruf für dieselbe Beteiligung nicht neu gestellt werden kann, rechnest du besser mehrere Jahre durch, nicht nur das aktuelle. Daneben gibt es die Günstigerprüfung (§ 32d Abs. 6 EStG): Führt der normale Tarif zu einer niedrigeren Steuer einschließlich Soli, werden auf Antrag sämtliche Kapitalerträge des Jahres nach dem Tarif besteuert. Der Antrag gilt dann einheitlich für alle Kapitalerträge.

Rechenbeispiel: Was bleibt von 100.000 € Gewinn nach der Ausschüttung?

Annahmen: Gewinn der GmbH vor Steuern 100.000 €, gleich Gewerbeertrag (keine Hinzurechnungen oder Kürzungen), Hebesatz 410 % (Berlin, laut Senatsverwaltung für Finanzen seit 1999 unverändert), volle Ausschüttung, keine Kirchensteuer, Sparer-Pauschbetrag anderweitig ausgeschöpft, Abgeltungsteuer statt Teileinkünfteverfahren.

SchrittBetrag
Gewinn der GmbH vor Steuern100.000,00 €
Gewerbesteuer (3,5 % × 410 %)−14.350,00 €
Körperschaftsteuer (15 %)−15.000,00 €
Solidaritätszuschlag (5,5 % der KSt)−825,00 €
Ausschüttbarer Gewinn69.825,00 €
Kapitalertragsteuer (25 %)−17.456,25 €
Solidaritätszuschlag (5,5 % der KapESt)−960,09 €
Netto beim Gesellschafter51.408,66 €
Gesamtbelastung48,59 %

Der größte Hebel für die steuerliche Belastung, den die meisten Rechenbeispiele unterschlagen, ist der Gewerbesteuer-Hebesatz deiner Gemeinde. Gleiche Annahmen, nur der Hebesatz ändert sich:

HebesatzGesamtbelastung der AusschüttungNetto von 100.000 €
280 %45,24 %54.759 €
350 %47,05 %52.955 €
400 %48,33 %51.666 €
410 %48,59 %51.409 €
450 %49,62 %50.378 €
490 %50,65 %49.347 €

Zwei Gesetzesänderungen verschieben diese Zahlen in den nächsten Jahren. Ab dem Erhebungszeitraum 2027 liegt der gesetzliche Mindesthebesatz bei 280 % (§ 16 Abs. 4 GewStG). Und die Körperschaftsteuer sinkt nach § 23 KStG ab 2028 schrittweise um einen Prozentpunkt pro Jahr auf 10 % ab 2032. Bei Hebesatz 410 % fällt die Gesamtbelastung dann auf 44,71 %.

Wie läuft eine Gewinnausschüttung ab? Beschluss, Kapitalertragsteuer, Fristen

In fünf Schritten: Jahresabschluss feststellen, Ergebnisverwendung beschließen, Kapitalerhaltung prüfen, Auszahlungstag festlegen und auszahlen, dabei Kapitalertragsteuer einbehalten, elektronisch anmelden und bis zum 10. des Folgemonats ans Finanzamt abführen. Wer die Reihenfolge einhält, hat die Gewinnausschüttung sauber dokumentiert.

  1. Jahresabschluss feststellen: Die Gesellschafter beschließen über die Feststellung des Jahresabschlusses und die Ergebnisverwendung spätestens bis zum Ablauf der ersten acht Monate des folgenden Geschäftsjahrs, eine kleine GmbH bis zum Ablauf der ersten elf Monate (§ 42a Abs. 2 GmbHG). Der Gesellschaftsvertrag kann diese Frist nicht verlängern. Wie der Jahresabschluss der GmbH entsteht, liest du im eigenen Guide.
  2. Ergebnisverwendung beschließen: Der Beschluss über die Verwendung des Ergebnisses liegt bei den Gesellschaftern (§ 46 Nr. 1 GmbHG). Sie können Beträge auch in Gewinnrücklagen einstellen oder vortragen, wenn der Gesellschaftsvertrag nichts anderes bestimmt (§ 29 Abs. 2 GmbHG). Halte den Beschluss schriftlich fest.
  3. Kapitalerhaltung prüfen: Das zur Erhaltung des Stammkapitals erforderliche Vermögen darf nicht an die Gesellschafter ausgezahlt werden (§ 30 Abs. 1 GmbHG).
  4. Auszahlungstag festlegen: Die Ausschüttung fließt dir an dem Tag zu, den der Beschluss als Auszahlungstag bestimmt. Fehlt diese Angabe, gilt der Tag nach der Beschlussfassung (§ 44 Abs. 2 EStG). Mit dem Zufluss entsteht die Kapitalertragsteuer.
  5. Kapitalertragsteuer einbehalten, anmelden, abführen: Die GmbH behält 25 % plus Soli ein, übermittelt die Kapitalertragsteuer-Anmeldung elektronisch und führt die im Kalendermonat einbehaltene Steuer bis zum 10. des Folgemonats ab (§ 44 Abs. 1 EStG, § 45a Abs. 1 EStG). Auf Verlangen stellt sie dir eine Steuerbescheinigung aus (§ 45a Abs. 2 EStG).
WasFristGrundlage
Feststellung Jahresabschluss und Ergebnisverwendung8 Monate nach Ende des Geschäftsjahrs, kleine GmbH 11 Monate§ 42a Abs. 2 GmbHG
Zufluss der AusschüttungAuszahlungstag laut Beschluss, sonst Tag nach dem Beschluss§ 44 Abs. 2 EStG
Kapitalertragsteuer anmelden und abführenbis zum 10. des Monats nach dem Einbehalt§ 44 Abs. 1, § 45a Abs. 1 EStG
Steuerbescheinigungauf Verlangen des Gesellschafters§ 45a Abs. 2 EStG
Antrag Teileinkünfteverfahrenspätestens mit der Einkommensteuererklärung§ 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG

Wann und wie oft darf eine GmbH Gewinne ausschütten?

Sobald ein Jahresüberschuss festgestellt und über seine Verwendung beschlossen ist, also in der Regel einmal im Jahr nach dem Jahresabschluss. Eine feste Obergrenze für die Zahl der Ausschüttungen nennt das GmbHG nicht. Die Grenze zieht § 30 GmbHG: Vermögen, das zur Erhaltung des Stammkapitals nötig ist, bleibt in der Gesellschaft.

Das gilt auch für Vorabausschüttungen auf den Gewinn des laufenden Jahres. Wer unterjährig ausschüttet, sollte vorher eine belastbare Zwischenrechnung haben, denn die Kapitalerhaltung wird am tatsächlichen Vermögen gemessen, nicht am erhofften Jahresergebnis.

Gehalt oder Gewinnausschüttung: Was ist für GmbH-Geschäftsführer steuerlich besser?

Bis zur Höhe eines angemessenen Geschäftsführergehalts in der Regel das Gehalt: Es ist Betriebsausgabe der GmbH und senkt Körperschaft- und Gewerbesteuer. Selbst der höchste Grenzsteuersatz mit Soli von rund 47,5 % liegt unter der Ausschüttungslast von 48,6 % bei Hebesatz 410 %. Liegt der Hebesatz deiner Gemeinde unter etwa 367 %, kann die Ausschüttung für die obersten Einkommensteile günstiger sein.

Die Grenzbelastung beim Gehalt hängt am Tarif: 42 % ab 69.879 € zu versteuerndem Einkommen, 45 % ab 277.826 € (§ 32a EStG, Tarif 2026). Mit Soli sind das 44,3 % und 47,5 %. Dazwischen gibt es eine Zone, die viele vergessen: Übersteigt deine Einkommensteuer 20.350 €, setzt der Soli schrittweise ein (§ 3 Abs. 3 und § 4 SolZG). In diesem Übergang, ledig zwischen etwa 75.000 € und 116.600 € zu versteuerndem Einkommen, steigt die Grenzbelastung auf rund 47,0 %.

Der Vergleich für drei Gewinnniveaus. Annahmen: lediger Gesellschafter-Geschäftsführer ohne Sozialversicherungspflicht, keine Kirchensteuer, keine weiteren Einkünfte, zu versteuerndes Einkommen gleich Gehalt (ohne Pauschbeträge und Vorsorgeaufwendungen), Hebesatz 410 %, Gewinn vor Geschäftsführervergütung.

Gewinn vor VergütungNur Gehalt: Netto beim GFNur Ausschüttung: Netto beim GFMix (80.000 € Gehalt + Rest Ausschüttung)
50.000 €39.452 € (21,1 % Last)25.704 € (48,6 % Last)entfällt
100.000 €67.885 € (32,1 % Last)51.409 € (48,6 % Last)67.566 € (32,4 % Last)
200.000 €123.128 € (38,4 % Last)102.817 € (48,6 % Last)118.975 € (40,5 % Last)

Bei 100.000 € Gewinn bringt die reine Gehaltsroute rund 16.500 € mehr Netto als die reine Ausschüttung. Warum macht es trotzdem nicht jeder so? Drei Grenzen:

  • Angemessenheit: Der Teil des Gehalts, der über dem Fremdvergleich liegt, wird zur verdeckten Gewinnausschüttung, und dann zahlst du beide Belastungen.
  • Sozialversicherung: Ob du als Gesellschafter-Geschäftsführer sozialversicherungspflichtig bist, entscheidet die Deutsche Rentenversicherung Bund nach einer Gesamtwürdigung des Einzelfalls. Meldet die GmbH dich als geschäftsführenden Gesellschafter, stellt die Einzugsstelle den Statusantrag von sich aus (§ 7a Abs. 1 SGB IV). Mit Beiträgen fällt die Gehaltsrechnung deutlich anders aus.
  • Privater Bedarf: Der Vergleich gilt nur für Geld, das du privat brauchst. Was in der GmbH arbeiten kann, ist mit Thesaurierung zunächst günstiger gestellt.

Rechne es für deine GmbH durch

Gehalt-vs-Ausschüttung-Rechner 2026
Vereinfachte Berechnung, Tarif 2026 (§ 32a EStG): ledig, keine Kirchensteuer, keine weiteren Einkünfte, beherrschender Gesellschafter-GF ohne SV-Pflicht, Abgeltungsteuer 26,375 % inkl. Soli. Ersetzt keine Steuerberatung.

Welche Faktoren verschieben das Ergebnis?

Eine starre Grenze wie "bis 90.000 € immer Gehalt" gibt es nicht. Das Ergebnis hängt an deinem Grenz- und Durchschnittssteuersatz, am Familienstand (beim Splittingtarif nach § 32a Abs. 5 EStG verschiebt sich alles nach oben), an der Kirchensteuerpflicht, deinem Sozialversicherungsstatus, weiteren privaten Einkünften und am Hebesatz deiner Gemeinde. Zwischen 350 % und 490 % liegen bei der Ausschüttungslast 3,6 Prozentpunkte. Rechne deshalb mit deinen echten Zahlen.

Tantieme: der flexible dritte Baustein

Die Tantieme ist eine erfolgsabhängige Vergütung und steuerlich Arbeitslohn: Betriebsausgabe für die GmbH, Einkommensteuer bei dir. In starken Jahren fließt mehr Vergütung über den günstigeren Gehaltsweg ab, in schwachen Jahren belastet kein hohes Festgehalt die GmbH.

Für den Zeitpunkt gilt eine Regel, die viele überrascht: Fällig wird der Tantiemeanspruch mit der Feststellung des Jahresabschlusses, sofern der Anstellungsvertrag nicht wirksam und fremdüblich etwas anderes regelt. Dem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer fließt eine im festgestellten Jahresabschluss ausgewiesene Tantieme dann bereits mit der Fälligkeit zu, auch wenn noch nichts überwiesen ist (BFH, Urteil vom 05.06.2024, VI R 20/22).

Bei der Höhe gilt derselbe Fremdvergleich wie beim Festgehalt, und wie jede Vergütung des beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführers muss die Tantieme im Voraus klar vereinbart sein, mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung, und wie vermeidest du sie?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) ist ein Vorteil, den die GmbH ihrem Gesellschafter wegen des Gesellschaftsverhältnisses zuwendet, ohne offenen Ausschüttungsbeschluss, etwa ein unangemessen hohes Gehalt. Sie darf das Einkommen der GmbH nicht mindern (§ 8 Abs. 3 Satz 2 KStG) und ist beim Gesellschafter Kapitalertrag (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG). Du zahlst also beide Belastungen.

Maßstab ist, was ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter einem gesellschaftsfremden Geschäftsführer zahlen würde. Feste Regeln gibt es dafür nicht: Angemessen ist eine Bandbreite, und erst was über ihrem oberen Rand liegt, ist vGA. Gehaltsstrukturuntersuchungen dienen als Vergleich (BFH, Beschluss vom 17.02.2010, I R 79/08). Wie das Finanzamt die Höhe Schritt für Schritt prüft, mit Rechenbeispiel, steht in Geschäftsführergehalt GmbH: angemessen, Fremdvergleich, vGA. Für den beherrschenden Gesellschafter kommt eine formale Hürde dazu: Eine vGA kann schon vorliegen, wenn es an einer klaren, im Voraus getroffenen, zivilrechtlich wirksamen und tatsächlich durchgeführten Vereinbarung fehlt (BFH, Beschluss vom 12.09.2018, I R 77/16). Daraus folgen vier Regeln:

  1. Im Voraus vereinbaren: Gehalt, Tantieme und jede Änderung schriftlich im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag oder per Gesellschafterbeschluss festlegen, bevor sie gezahlt werden.
  2. Angemessen bleiben: Die Gesamtvergütung am Fremdvergleich ausrichten, nach Art und Umfang der Tätigkeit, Branche, Größe und Ertragslage, und die Vergleichswerte dokumentieren.
  3. Tatsächlich durchführen: Was vereinbart ist, wird auch so gezahlt und gebucht. Weicht die Praxis vom Vertrag ab, fehlt die letzte Voraussetzung aus der BFH-Formel.
  4. Sondervorteile fremdüblich regeln: Firmenwagen, Darlehen an dich oder Pensionszusagen brauchen schriftliche Verträge zu Bedingungen, die auch ein Fremder bekäme.

Ein typisches Muster aus der Praxis: Zahlungen an den Gesellschafter-Geschäftsführer sollen nachträglich als Lohn gemeldet oder anders eingeordnet werden, und genau die Vereinbarung im Voraus fehlt. Dann kann eine vGA schon aus formalen Gründen vorliegen, auch wenn die Höhe für sich angemessen wäre.

Thesaurierung: wenn das Geld in der GmbH bleibt

Bleibt der Gewinn in der GmbH, zahlst du zunächst nur die Unternehmenssteuern, bei Hebesatz 410 % also 30,175 %. Die 26,375 % auf Gesellschafterebene fallen erst an, wenn tatsächlich ausgeschüttet wird. Für Investitionen, Rücklagen und Vermögensaufbau in der Gesellschaft ist das oft die beste Option, und du kannst Ausschüttungen in Jahre mit niedrigerem persönlichem Steuersatz legen. Die sinkende Körperschaftsteuer ab 2028 verbessert die Rechnung zusätzlich.

Wer Gewinne langfristig anlegen will, denkt an eine vermögensverwaltende GmbH oder eine Holding-Struktur. Ausschüttungen an eine Kapitalgesellschaft bleiben bei der Körperschaftsteuer außer Ansatz (das sogenannte Schachtelprivileg), 5 % gelten aber als nicht abziehbare Betriebsausgaben (§ 8b Abs. 1 und 5 KStG). Das gilt nur, wenn die Beteiligung zu Beginn des Kalenderjahres mindestens 10 % betragen hat (§ 8b Abs. 4 KStG). Bei der Gewerbesteuer greift die Kürzung erst ab 15 % zu Beginn des Erhebungszeitraums (§ 9 Nr. 2a GewStG). Darunter ist die Dividende in der Holding nicht begünstigt.

Wann lohnt sich welche Strategie?

StrategieVorteileNachteile
FestgehaltBetriebsausgabe, planbar, Grenzlast bis rund 47,5 % und damit unter der Ausschüttungslast bei Hebesatz 410 %Angemessenheitsgrenze, belastet die GmbH auch in schwachen Jahren, Sozialversicherung je nach Status
TantiemeFlexibel, Betriebsausgabe, atmet mit dem GewinnFremdvergleich wie beim Festgehalt, Fälligkeit mit Feststellung des Jahresabschlusses
GewinnausschüttungKein Angemessenheitsthema, keine Sozialversicherungsbeiträge, Teileinkünfteverfahren als OptionRund 48,6 % Gesamtlast bei Hebesatz 410 %, Beschluss und Kapitalertragsteuer-Anmeldung nötig
ThesaurierungNur 30,175 % sofort (Hebesatz 410 %), Steuerstundung, Vermögensaufbau in der GmbHGeld ist privat nicht verfügbar, spätere Ausschüttung kostet trotzdem

Für die meisten Gesellschafter-Geschäftsführer ergibt sich daraus eine Reihenfolge: ein angemessenes Festgehalt bis etwa zum privaten Bedarf, eine Tantieme für gute Jahre, Thesaurierung für alles, was in der GmbH arbeiten kann, und die Gewinnausschüttung für den Privatbedarf darüber hinaus. Plane das über mehrere Jahre, nicht als Einmalentscheidung; wie das in die Jahresplanung passt, zeigt der Leitfaden zur Steuerplanung für Firmen.

Checkliste: deine Gewinnausschüttung 2026

  1. Jahresabschluss feststellen und Ergebnisverwendung beschließen, spätestens 8 Monate nach Ende des Geschäftsjahrs (kleine GmbH 11 Monate).
  2. Prüfen, dass keine Auszahlung das zur Erhaltung des Stammkapitals nötige Vermögen angreift (§ 30 GmbHG).
  3. Den Auszahlungstag im Beschluss festlegen.
  4. Kapitalertragsteuer einbehalten, elektronisch anmelden und bis zum 10. des Folgemonats abführen, auf Verlangen die Steuerbescheinigung ausstellen.
  5. Abgeltungsteuer und Teileinkünfteverfahren über mehrere Jahre vergleichen; den Antrag spätestens mit der Einkommensteuererklärung stellen.
  6. Gehalt und Tantieme im Voraus schriftlich, fremdüblich und tatsächlich durchgeführt regeln.
  7. Bei Gesellschafter-Geschäftsführern prüfen wir bei b’steuern Sozialversicherungsstatus, Beteiligungs- und Stimmrechtslage, Sperrminorität, Geschäftsführer-Anstellungsvertrag und Beschlusslage getrennt voneinander, bevor eine Vergütung oder Ausschüttung umgesetzt wird.
  8. Gesellschafterbeschlüsse, Ausschüttungsunterlagen und Darlehenskonten zu den Unterlagen für den nächsten Jahresabschluss legen.

Gehalt oder Gewinnausschüttung: die Antwort für 2026

Die Gewinnausschüttung kostet bei Hebesatz 410 % rund 48,6 %, das Gehalt an der Grenze höchstens rund 47,5 %. Bis zu einem angemessenen Gehalt ist das Gehalt deshalb fast immer die günstigere Route, darüber die Thesaurierung, und die Ausschüttung deckt den Privatbedarf, der darüber hinausgeht. In Gemeinden mit niedrigem Hebesatz oder mit dem Teileinkünfteverfahren verschiebt sich die Rechnung zugunsten der Ausschüttung. Wo Sozialversicherungsstatus, Darlehen statt Lohn oder ein Gesellschafterwechsel ungeklärt sind, gilt bei uns: erst fachlich klären und dokumentieren, dann umsetzen.

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