STEUERLICHER STATUS

Unterschied zwischen Freiberufler und Gewerbetreibendem

Für alle, die gerade starten oder ihre Einordnung prüfen: Ob du Freiberufler oder Gewerbetreibender bist, entscheidet über Gewerbesteuer, Anmeldung und Buchführung. Hier siehst du alle Unterschiede auf einen Blick.

Direktantwort

Was ist der Unterschied zwischen Freiberufler und Gewerbetreibendem?

Freiberufler üben einen Katalogberuf oder eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG aus. Damit fällt keine Gewerbesteuer an, die Anmeldung läuft nur über das Finanzamt und die EÜR bleibt dauerhaft erlaubt. Jede andere selbständige Tätigkeit ist ein Gewerbe nach § 15 EStG: Anmeldung beim Gewerbeamt, Gewerbesteuer ab 24.500 € Gewerbeertrag, Pflichtmitgliedschaft in IHK oder HWK.

Schneller Überblick: Vergleichstabelle

Freiberufler x Gewerbe

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden in der Übersicht

MerkmalFreiberuflerGewerbetreibender
Rechtsgrundlage§ 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG, Katalog- und ähnliche Berufe§ 15 EStG, jede andere selbständige Tätigkeit
AnmeldungNur Finanzamt, innerhalb eines Monats (§ 138 Abs. 4 AO)Gewerbeamt, das Finanzamt wird automatisch informiert
GewerbesteuerKeineAb 24.500 € Gewerbeertrag, Messzahl 3,5 % (§ 11 GewStG)
BuchführungImmer EÜR möglich, § 141 AO gilt nichtBilanz ab 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn
KammerBerufsständische Kammer, nur bei verkammerten BerufenIHK oder HWK, Pflichtmitgliedschaft
UmsatzsteuerIst-Versteuerung auf Antrag, ohne Umsatzgrenze (§ 20 UStG)Ist-Versteuerung nur bis 800.000 € Vorjahresumsatz

Die Unterschiede im Detail

Freiberufler

Freiberuflich ist, wer einen der in § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG genannten Berufe ausübt, also Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten, Journalisten, Übersetzer und ähnliche. Entscheidend ist die Tätigkeit, nicht die Berufsbezeichnung auf deiner Website. Du meldest dich nur beim Finanzamt an und zahlst keine Gewerbesteuer.

Vorteile

Keine Gewerbesteuer, keine Gewerbeanmeldung
EÜR dauerhaft erlaubt, egal wie hoch der Gewinn ist

Nachteile

Das Finanzamt kann die Einordnung jederzeit prüfen
Angestellte nur bei eigener Leitung und Verantwortung
Praxis-Beispiel
Übersetzerin rechnet 90.000 € im Jahr ab und bleibt bei der EÜR.
Gewerbetreibender

Gewerblich ist jede selbständige Tätigkeit, die nicht unter § 18 EStG fällt: Handel, Handwerk, Produktion, Vermittlung und die meisten Online-Geschäftsmodelle. Du meldest ein Gewerbe an, wirst Pflichtmitglied bei IHK oder HWK und zahlst ab 24.500 € Gewerbeertrag Gewerbesteuer.

Vorteile

Gewerbesteuer wird nach § 35 EStG weitgehend angerechnet
24.500 € Freibetrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaften

Nachteile

Gewerbeanmeldung, IHK-Beitrag, Gewerbesteuererklärung
Bilanzpflicht ab 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn
Praxis-Beispiel
Bei 400 % Hebesatz gleicht § 35 EStG die Gewerbesteuer fast vollständig aus.

Fazit

Die Einordnung hängt an deiner Tätigkeit, nicht an deinem Wunsch: entweder § 18 EStG oder § 15 EStG. Als Freiberufler bedeutet das keine Gewerbesteuer, keine Gewerbeanmeldung und dauerhaft die EÜR. Als Gewerbetreibender bedeutet es mehr Formalitäten, aber bis rund 400 % Hebesatz gleicht die Anrechnung nach § 35 EStG die Gewerbesteuer fast vollständig aus. Teuer wird es nur bei gemischter Tätigkeit. Prüfe deshalb zuerst deine Umsatzanteile, dann deine Struktur, und lass die Einordnung im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung sauber begründen.

FAQ

Häufige Fragen

Nicht dabei? Wir antworten direkt.

Wer entscheidet, ob ich Freiberufler oder Gewerbetreibender bin?
Das Finanzamt, auf Basis deiner tatsächlichen Tätigkeit. Die Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit meldest du innerhalb eines Monats direkt beim Finanzamt (§ 138 Abs. 4 AO), über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt bindet das Finanzamt nicht: Es prüft eigenständig, ob § 18 oder § 15 EStG greift.
Wie viel Gewerbesteuer zahle ich als Gewerbetreibender wirklich?
Deutlich weniger, als der Hebesatz vermuten lässt. Nach dem Freibetrag von 24.500 € gilt die Steuermesszahl 3,5 % (§ 11 GewStG), und deine Einkommensteuer sinkt nach § 35 EStG um das Vierfache des Messbetrags. Bis rund 400 % Hebesatz gleicht das die Gewerbesteuer nahezu vollständig aus. In Berlin liegt der Hebesatz bei 410 %, es bleibt also nur ein kleiner Rest.
Was passiert, wenn ich freiberuflich und gewerblich gleichzeitig arbeite?
Als Einzelunternehmer bleiben trennbare Tätigkeiten getrennt: zwei Gewinnermittlungen, zwei Einkunftsarten. In einer GbR färbt der gewerbliche Teil dagegen auf alles ab (§ 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG). Der BFH lässt dafür eine Bagatellgrenze zu: bis 3 % der Nettoumsätze und höchstens 24.500 € im Jahr bleibt die Abfärbung aus (BFH vom 27.08.2014, VIII R 16/11). „Die Abfärbung trifft fast immer GbRs, nicht Einzelunternehmer. Wer solo arbeitet und sauber trennt, hat das Problem gar nicht erst“, sagt Florian Gössmann-Schmitt, Steuerberater bei b'steuern.
Darf ich als Freiberufler Mitarbeiter einstellen?
Ja, auch fachlich vorgebildete. § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG nennt keine Höchstzahl an Angestellten, weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung. Entscheidend ist, dass du leitend und eigenverantwortlich tätig bleibst und jeder Auftrag deinen fachlichen Stempel trägt. Verlierst du diese Kontrolle, wird die gesamte Tätigkeit gewerblich.
Muss ich als Freiberufler eine Bilanz erstellen?
Nein. § 141 AO gilt nur für gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte, nicht für Freiberufler. Du darfst die Einnahmenüberschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG dauerhaft nutzen, unabhängig von Umsatz und Gewinn. Gewerbetreibende müssen ab 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn bilanzieren, und zwar erst ab dem Jahr nach der Mitteilung des Finanzamts.
Was kostet ein Steuerberater für Freiberufler oder Gewerbetreibende?
Ein digitaler Steuerberater wie b'steuern arbeitet mit monatlichem Festpreis statt Stundensätzen nach StBVV: für Selbständige ab 159 € im Monat, inklusive Buchhaltung, EÜR und Jahresabschluss. Für eine GbR startet es bei 199 €. Die Kosten sind als Betriebsausgabe voll absetzbar.

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