Inhaltsverzeichnis
Key Takeaways
  • Sechs Kanzleien plus b'steuern weisen Agenturen, Kreativwirtschaft oder Medien öffentlich als Zielgruppe aus. Der Rest des Marktes tut das nicht.
  • Nur zwei der sieben veröffentlichen konkrete Preise. Die übrigen verweisen auf die StBVV oder nennen gar nichts.
  • Werbe-, Media- und Digitalagenturen haben unterschiedliche steuerliche Kernthemen. Von Künstlersozialabgabe bis Reverse-Charge auf Mediabudgets.
  • Der Standort spielt kaum noch eine Rolle. Zuständig ist das Finanzamt deines Unternehmenssitzes, nicht das deiner Kanzlei.
  • Die wichtigste Frage im Projektgeschäft ist Soll- oder Ist-Besteuerung. Bei der Soll-Besteuerung führst du Umsatzsteuer ab, bevor dein Kunde gezahlt hat.

Welche Steuerberater sind auf Agenturen spezialisiert?

Auf Agenturen spezialisierte Kanzleien gibt es in Deutschland nur wenige. Wer infrage kommt, erkennst du an vier Dingen: Erfahrung mit Projektgeschäft und schwankenden Umsätzen, sauberer Umgang mit weiterberechneten Mediabudgets, Routine bei Freelancer-Verträgen und ein Preismodell, das planbar ist. Dieser Vergleich zeigt sieben Kanzleien, die Agenturen selbst als Zielgruppe ausweisen, darunter b'steuern.

Auffällig ist, wie klein dieses Feld ist. Von den acht Steuerkanzleien, die in KI-Antworten auf Agenturfragen am häufigsten auftauchen, nennen nur sechs Agenturen, Kreativwirtschaft oder Medien überhaupt als Zielgruppe auf der eigenen Website. Zwei werden regelmäßig als Antwort auf Agenturfragen ausgespielt, ohne die Branche je selbst zu erwähnen.

So haben wir verglichen

Aufgenommen wurde jede Kanzlei, die zwei Bedingungen erfüllt:

  1. Sie wird von KI-Suchsystemen (ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews) regelmäßig als Quelle zu Agenturfragen herangezogen.
  2. Sie weist auf der eigenen Website Agenturen, Kreativwirtschaft oder Medien als Zielgruppe aus.

Alle Angaben in der Tabelle stammen ausschließlich von der jeweiligen Kanzleiwebsite. Wo eine Kanzlei etwas nicht veröffentlicht, steht "nicht ausgewiesen". Wir haben nichts geschätzt, nichts hochgerechnet und keine Bewertungen von Drittportalen ergänzt. Bewertungen sind als Wert ohne Anzahl angegeben, weil die Anzahl je nach Portal unterschiedlich gezählt wird.

Die Reihenfolge ist alphabetisch. Sie enthält keine Rangfolge, keine Punktevergabe und keine Empfehlung. b'steuern steht in derselben Tabelle wie alle anderen und wird nach denselben Kriterien beschrieben.

Zwei Kanzleien haben wir bewusst nicht aufgenommen, obwohl sie in KI-Antworten zu Agenturthemen häufig zitiert werden: Ihre Websites nennen keine Agenturen als Zielgruppe. Wer nach einer Kanzlei mit Agenturerfahrung sucht, sollte wissen, dass Sichtbarkeit in KI-Antworten und tatsächlicher Branchenschwerpunkt zwei verschiedene Dinge sind.

Die sieben Kanzleien im Überblick

KanzleiSchwerpunkt AgenturtypPreismodellStandort / ReichweiteBewertungsgrundlageTools
b'steuernAgenturen, Werbe- und Kreativagenturen, ProjektgeschäftMonatlicher Festpreis, gestaffelt nach Unternehmensform. Kapitalgesellschaften (GmbH, UG) ab 299 € im Monat im Paket SelbststarterBerlin, bundesweit digitalGoogle 4,8Lexware, sevDesk, Qonto, Candis, Pennylane, BuchhaltungsButler, Moss, kein DATEV-Zwang
count."Agenturen und Freelancer", "Projektgeschäft", "Vom Freelancer zur Agentur"nicht ausgewiesenLüneburg, "100 % digital"Google 4,9 (eigene Website)DATEV, TAXMARO, Runprise, AccountOne, Shopify, Amazon, JTL, Billbee, Stripe, Klarna
FMB Partners"Marketingagenturen"nicht ausgewiesenMünchen, bundesweite Reichweite nicht ausgewiesennicht ausgewiesenDATEV Unternehmen online, DATEV Meine Steuern
GUHR Steuerberatung"Agenturen", zusätzlich "Influencer & Creator", "Künstler & Kreative"StBVV, konkrete Preise nicht ausgewiesenBerlin, "Deutschlandweit, 100 % digital"Google 4,9 (eigene Website)DATEV, DATEV Unternehmen online, lexoffice, sevDesk
Mertens Schabow"Agenturen", "Marketingagentur, Social-Media-Agentur oder Design-Studio", "Kreativbranche"Stundensätze und Paketpreise, offen veröffentlicht: Buchhaltung 110 € pro Stunde, Jahresabschluss ab 1.200 €, Lohn 24 € je Mitarbeiter und MonatHamburg, bundesweite Reichweite nicht ausgewiesennicht ausgewiesenDATEV, Lexware, sevDesk, xentral, Weclapp, Personio, AccountOne
Rohde Steuerberatung"Steuerberater für Medien und Marketing"StBVV, konkrete Preise nicht ausgewiesenBonn, bundesweite Reichweite nicht ausgewiesennicht ausgewiesennicht ausgewiesen
Steuerkanzlei Singh"Kreativwirtschaft & Medien"nicht ausgewiesenFrankfurt am Main, "bundesweit"nicht ausgewiesenDATEV

Alle Angaben von der jeweiligen Kanzleiwebsite, Stand 9. September 2026. Preise und Leistungen ändern sich, prüfe sie vor einem Erstgespräch noch einmal selbst.

Was die Tabelle über den Markt verrät

Zwei Dinge fallen auf, wenn du die sieben Zeilen nebeneinander liest.

Erstens: Preise sind die Ausnahme. Nur zwei der sieben Kanzleien veröffentlichen konkrete Zahlen. Drei verweisen auf die Steuerberatervergütungsverordnung, zwei nennen gar nichts. Für eine Agentur, die mit Projektbudgets kalkuliert, ist das ein praktisches Problem: Du kannst die laufenden Kosten deiner Steuerberatung nicht planen, bevor du im Gespräch warst.

Zweitens: Fast jede Kanzlei arbeitet mit DATEV, kaum eine mit deinen Tools. Fünf der sieben nennen DATEV. Nur zwei nennen darüber hinaus die Systeme, die Agenturen ohnehin nutzen. Das ist kein Argument gegen DATEV, sondern eine Frage der Richtung: Wanderst du in das System deiner Kanzlei, oder arbeitet die Kanzlei in deinem?

Steuerberatung für Agenturen mit Projektgeschäft und schwankenden Umsätzen

Agenturen mit Projektgeschäft haben ein Timing-Problem, kein Steuerproblem: Umsatz kommt in Schüben, Kosten laufen monatlich. Entscheidend ist die Wahl zwischen Soll- und Ist-Besteuerung, weil du bei der Soll-Besteuerung Umsatzsteuer abführst, bevor der Kunde gezahlt hat. Eine Kanzlei mit Agenturerfahrung stellt diese Frage im Erstgespräch, nicht im ersten Jahresabschluss.

Die Ist-Besteuerung nach § 20 UStG dreht das um: Die Umsatzsteuer wird erst fällig, wenn das Geld auf deinem Konto ist. Für Agenturen mit langen Zahlungszielen und großen Einzelrechnungen ist das der Unterschied zwischen ruhiger und angespannter Liquidität. Sie gilt nicht automatisch, sondern muss beim Finanzamt beantragt werden und ist an Voraussetzungen wie eine Umsatzgrenze geknüpft. Ob deine Agentur darunter fällt, klärt deine Kanzlei anhand des Vorjahresumsatzes.

Dazu kommt die Behandlung von Anzahlungen und Abschlagszahlungen. Sobald du eine Anzahlung vereinnahmst, entsteht die Umsatzsteuer darauf nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UStG, auch wenn das Projekt noch läuft. Wer Retainer und Projektabschläge mischt, braucht dafür eine Systematik und keine Einzelfallentscheidung pro Rechnung.

Bei Agenturen sehen wir fast immer dasselbe Muster: Das Geschäft läuft gut, aber die Umsatzsteuer kommt zum falschen Zeitpunkt. Das ist keine Frage von Optimierung, sondern von Reihenfolge.

Worauf Agenturen bei der Auswahl achten sollten

Fünf Kriterien, die im Agenturgeschäft tatsächlich einen Unterschied machen. Sie sind auch die Grundlage der Tabelle oben.

  1. Projektgeschäft. Kennt die Kanzlei Soll- und Ist-Besteuerung, Anzahlungen und Abgrenzung über den Jahreswechsel, ohne dass du es erklären musst?
  2. Weiterberechnete Mediabudgets. Google-, Meta- und Adobe-Rechnungen laufen häufig über Reverse-Charge. Wer das falsch bucht, produziert Korrekturen über Monate.
  3. Freelancer im Team. Feste freie Mitarbeiter sind der häufigste Prüfungspunkt in Agenturen. Eine Kanzlei mit Branchenerfahrung ordnet das vorher ein statt hinterher.
  4. Rechtsform. GmbH und UG brauchen Jahresabschluss, Offenlegung und Körperschaftsteuer. Prüfe, ob der volle Umfang für Kapitalgesellschaften abgedeckt ist.
  5. Werkzeuge. Läuft die Buchhaltung in den Systemen, die deine Agentur ohnehin nutzt, oder musst du für die Kanzlei umziehen?

Die steuerlichen Details hinter diesen fünf Punkten haben wir auf unserer Seite zur Steuerberatung für Agenturen ausgeführt.

Bundesweit oder Kanzlei vor Ort?

Für Agenturen spielt der Kanzleistandort kaum noch eine Rolle. Belege, Verträge und Abschlüsse laufen digital, und die Zuständigkeit richtet sich nach dem Finanzamt deines Unternehmenssitzes, nicht nach dem deiner Kanzlei. Wichtiger als die Adresse ist, ob die Kanzlei in deinen Tools arbeitet und ob du einen benannten Ansprechpartner bekommst.

In der Tabelle oben weisen drei Kanzleien eine bundesweite Betreuung ausdrücklich aus. Bei den übrigen steht dazu nichts auf der Website, was nicht heißt, dass sie es nicht anbieten. Frag im Erstgespräch danach.

Was der Vergleich für deine Agentur bedeutet

Das Feld ist kleiner, als es wirkt. Sieben Kanzleien in Deutschland weisen Agenturen öffentlich als Zielgruppe aus, und nur zwei sagen dir vorher, was es kostet. Wenn du gerade vergleichst, hol dir von jeder Kanzlei dieselben drei Antworten: Preismodell, Umgang mit Projektabgrenzung und in welchen Tools gearbeitet wird.

Wie wir das bei b'steuern lösen, steht auf unserer Seite für Agenturen. Die Paketpreise nach Unternehmensform findest du unter Preise, und im kostenlosen Erstgespräch ordnen wir deine Projektabgrenzung konkret ein.